Mehrsprachigkeit und Sprachentwicklung

Viele Sprachen. Ein Kind. Und manchmal die Frage: Ist das noch mehrsprachiger Spracherwerb – oder steckt eine Sprachentwicklungsstörung dahinter?

„Zu Hause sprechen wir unsere Muttersprache – ist das vielleicht zu viel für unser Kind?“

„Sollten wir lieber nur noch Deutsch sprechen?“

„In der Kita spricht sie kaum, zu Hause aber sehr viel.“

„Er mischt beide Sprachen. Ist das ein Zeichen dafür, dass er überfordert ist?“

„Die Erzieher:innen sagen, sein Deutsch sei noch nicht altersentsprechend. Braucht er Logopädie?“

Solche Fragen begegnen uns immer wieder.

Gerade wenn ein Kind mit mehreren Sprachen aufwächst und seine sprachliche Entwicklung gleichzeitig auffällig erscheint, entsteht schnell Unsicherheit.

Dabei ist zunächst eine Botschaft wichtig:

Mehrsprachigkeit ist keine Sprachstörung.

Kinder können mit zwei oder mehreren Sprachen aufwachsen.

Mehrsprachigkeit ist Teil ihrer Lebenswelt, ihrer Beziehungen und häufig auch ihrer Identität.

Sie muss nicht „wegtherapiert“ werden.

Die entscheidende fachliche Frage lautet deshalb nicht:

„Spricht dieses Kind mehrere Sprachen?“

Sondern:

„Wie entwickelt dieses Kind Sprache – über seine verschiedenen Sprachen hinweg?“

Mehrsprachiger Spracherwerb ist nicht einfach einsprachiger Spracherwerb mal zwei

Kinder wachsen unter sehr unterschiedlichen sprachlichen Bedingungen auf.

Manche hören von Geburt an zwei oder mehrere Sprachen.

Andere lernen zunächst eine Familiensprache und begegnen Deutsch später – beispielsweise mit dem Eintritt in die Kita.

Wieder andere verwenden unterschiedliche Sprachen mit unterschiedlichen Menschen und in unterschiedlichen Situationen.

Ein Kind spricht vielleicht:

  • mit Mama Arabisch,
  • mit Papa Deutsch,
  • mit den Großeltern Türkisch,
  • mit Geschwistern eine Mischung verschiedener Sprachen
  • und in der Kita überwiegend Deutsch.

Deshalb entwickeln sich die einzelnen Sprachen nicht zwangsläufig gleich schnell oder gleich stark.

Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches.

Sprachentwicklung folgt auch den sprachlichen Erfahrungen, die ein Kind macht.

Die Familiensprache darf bleiben

Wenn Eltern sich Sorgen um die Sprachentwicklung ihres Kindes machen, entsteht manchmal die Empfehlung:

„Sprechen Sie zu Hause lieber nur noch Deutsch.“

Eine solche pauschale Empfehlung halten wir nicht für sinnvoll.

Sprache ist weit mehr als ein Trainingsangebot.

Sie ist Beziehung.

Nähe.

Humor.

Erinnerung.

Kultur.

Zugehörigkeit.

Und sie ist die Sprache, in der Eltern häufig besonders fein, spontan und emotional mit ihrem Kind kommunizieren können.

Eltern sollten deshalb mit ihrem Kind in der Sprache oder den Sprachen sprechen dürfen, in denen sie sich sicher, natürlich und verbunden fühlen.

Ein künstlich vereinfachtes Deutsch ersetzt nicht automatisch eine reichhaltige Familiensprache.

Mehrsprachigkeit ist kein Problem, das beseitigt werden muss.

„Aber mein Kind mischt die Sprachen.“

Auch das verunsichert viele Familien.

Ein Kind beginnt einen Satz in einer Sprache und beendet ihn in einer anderen.

Oder es verwendet mitten in einem deutschen Satz ein Wort aus seiner Familiensprache.

Das bedeutet nicht automatisch, dass es die Sprachen „durcheinanderbringt“.

Mehrsprachige Menschen nutzen ihr gesamtes sprachliches Repertoire.

Kinder können Wörter aus einer anderen Sprache verwenden, weil ihnen dort gerade der passendere oder leichter verfügbare Begriff zur Verfügung steht.

Mit zunehmender sprachlicher Erfahrung lernen sie immer besser, welche Sprache sie mit wem und in welcher Situation einsetzen können.

Sprachmischungen allein sind deshalb kein Beweis für eine Sprachentwicklungsstörung.

Ein kleiner deutscher Wortschatz erzählt nicht die ganze Geschichte

Stellen wir uns ein Kind vor, das auf Deutsch 80 Wörter verwendet.

Ein einsprachig deutsch aufwachsendes Kind verwendet vielleicht deutlich mehr.

Ein direkter Vergleich könnte deshalb zunächst den Eindruck vermitteln:

„Dieses Kind hat einen zu kleinen Wortschatz.“

Doch vielleicht kennt das mehrsprachige Kind weitere Begriffe in seiner Familiensprache.

Vielleicht sagt es für bestimmte Dinge das deutsche Wort und für andere das entsprechende Wort einer anderen Sprache.

Sein sprachliches Wissen verteilt sich also möglicherweise auf mehrere Sprachen.

Deshalb darf die sprachliche Kompetenz eines mehrsprachigen Kindes nicht vorschnell anhand einer einzigen Sprache beurteilt werden.

Trotzdem können mehrsprachige Kinder eine Sprachentwicklungsstörung haben

Das ist die andere Seite der fachlichen Differenzierung.

Mehrsprachigkeit verursacht keine Sprachentwicklungsstörung.

Aber selbstverständlich können auch mehrsprachig aufwachsende Kinder eine behandlungsbedürftige Spracherwerbsstörung entwickeln.

Dann ist nicht die Anzahl ihrer Sprachen das Problem.

Das Kind hat Schwierigkeiten mit dem Erwerb bzw. der Verarbeitung von Sprache.

Diese können sich – abhängig von der individuellen Sprachbiografie und den jeweiligen sprachlichen Erfahrungen – in mehreren Sprachen bemerkbar machen.

Genau deshalb wäre auch die Aussage

„Das liegt nur daran, dass das Kind mehrsprachig aufwächst“

zu kurz gedacht.

Mehrsprachigkeit darf nicht pathologisiert werden.

Sie darf aber ebenso wenig dazu führen, dass eine tatsächliche Sprachentwicklungsstörung übersehen wird.

Was kann auf eine Sprachentwicklungsstörung hinweisen?

Die Beurteilung eines mehrsprachigen Kindes ist komplex und gehört fachlich differenziert betrachtet.

Je nach Alter und Entwicklung können unter anderem Fragen relevant sein wie:

  • Wie verlief die bisherige Sprachentwicklung?
  • Wann begann das Kind zu sprechen?
  • Welche Sprachen hört und verwendet es?
  • Seit wann besteht Kontakt zu den jeweiligen Sprachen?
  • Mit welchen Personen spricht das Kind welche Sprache?
  • Wie intensiv ist der Kontakt zu Deutsch?
  • Wie entwickelt sich Sprache in der Familiensprache?
  • Wie gut versteht das Kind Sprache?
  • Wie lernt es neue Wörter?
  • Wie entwickelt es grammatische Strukturen?
  • Wie kommuniziert es mit vertrauten Personen?
  • Wie erzählen Eltern seine sprachliche Entwicklung?
  • Gibt es sprachliche Schwierigkeiten, die sich nicht allein durch unterschiedliche Sprachlernerfahrungen erklären lassen?

Keine einzelne Antwort entscheidet über eine Diagnose.

Entscheidend ist das Gesamtbild.

Die Sprachbiografie gehört zur Diagnostik

Bei einem mehrsprachig aufwachsenden Kind reicht die Information

„Das Kind ist mehrsprachig“

nicht aus.

Wir möchten genauer verstehen:

  • Welche Sprache hat das Kind wann kennengelernt?
  • Welche Sprache wird zu Hause gesprochen?
  • Welche Sprache spricht es mit Geschwistern?
  • Welche mit Großeltern?
  • Seit wann besucht es eine deutschsprachige Kita oder Schule?
  • Gab es längere Veränderungen der sprachlichen Umgebung?
  • Welche Sprache versteht es besonders gut?
  • In welcher erzählt es am liebsten?
  • In welcher Sprache erleben Eltern Schwierigkeiten?

Diese Informationen bilden die individuelle Sprachbiografie.

Sie ist ein wichtiger Bestandteil einer differenzierten Betrachtung.

Eine besondere Herausforderung: Wir können nicht immer alle Sprachen selbst beurteilen

Das gehört für uns zu fachlicher Transparenz.

Logopäd:innen beherrschen nicht automatisch alle Sprachen ihrer Patient:innen.

Standardisierte deutschsprachige Testverfahren können bei mehrsprachigen Kindern zudem nicht immer genauso interpretiert werden wie bei Kindern mit vergleichbaren einsprachig deutschen Spracherfahrungen.

Deshalb müssen diagnostische Ergebnisse im Kontext der individuellen Sprachbiografie betrachtet werden.

Informationen von Eltern und anderen Bezugspersonen können dabei besonders wertvoll sein.

Gegebenenfalls braucht es weitere diagnostische Perspektiven.

Fachlichkeit bedeutet hier auch, die Grenzen des eigenen diagnostischen Instruments zu kennen.

Sprachförderbedarf oder Logopädie?

Gerade bei mehrsprachigen Kindern wird diese Unterscheidung besonders wichtig.

Ein Kind kann Unterstützung beim Erwerb des Deutschen benötigen, ohne eine Sprachentwicklungsstörung zu haben.

Dann besteht ein Sprachförderbedarf.

Ein anderes Kind zeigt darüber hinaus Hinweise auf eine tatsächliche Störung des Spracherwerbs.

Dann kann bei entsprechender medizinischer Indikation logopädische Diagnostik und Therapie erforderlich sein.

Und manche Kinder brauchen beides:

pädagogische Unterstützung beim Erwerb der deutschen Bildungssprache und störungsspezifische logopädische Therapie.

Diese Maßnahmen ersetzen sich nicht gegenseitig.

Sie haben unterschiedliche Aufgaben.

→ Fachwissen: Sprachförderbedarf oder Logopädie?

Ein Beispiel: Zwei Kinder – eine ähnliche Beobachtung

Zwei fünfjährige Kinder sprechen im Kindergarten wenig Deutsch.

Auf den ersten Blick sehen wir dasselbe.

Doch ihre Geschichten unterscheiden sich.

Kind A

Das Kind ist erst seit relativ kurzer Zeit intensiv mit Deutsch in Kontakt.

Zu Hause spricht es seine Familiensprache sicher.

Es erzählt.

Stellt Fragen.

Versteht komplexere Äußerungen.

Spielt mit Sprache.

Kommuniziert lebendig mit seiner Familie.

Im Deutschen fehlen ihm dagegen noch viele Wörter und sprachliche Strukturen.

Hier kann vor allem der weitere Erwerb des Deutschen im Mittelpunkt stehen.

Kind B

Auch dieses Kind wächst mehrsprachig auf.

Doch die Eltern berichten, dass es auch in seiner Familiensprache große Schwierigkeiten hat.

Neue Wörter werden nur langsam gelernt.

Das Kind versteht komplexere sprachliche Äußerungen häufig nicht.

Sätze bleiben auffällig kurz oder sprachlich ungewöhnlich.

Auch das Erzählen fällt schwer.

Hier stellt sich eine andere fachliche Frage:

Gibt es Hinweise auf eine Sprachentwicklungsstörung?

Beide Kinder brauchen Unterstützung.

Aber möglicherweise nicht dieselbe.

Mehrsprachigkeit in Bremen-Huchting

Für unsere Fachpraxis ist dieses Thema keine theoretische Randfrage.

Wir arbeiten in Bremen-Huchting – einem Stadtteil, in dem unterschiedliche Sprachen, Kulturen und Lebensgeschichten zum Alltag gehören.

Kinder bringen unterschiedliche sprachliche Erfahrungen mit.

Und genau deshalb brauchen wir einen differenzierten Blick.

Ein Stadtteil mit hohem Sprachförderbedarf braucht gute sprachliche Bildungsangebote.

Er braucht sprachsensible Kitas und Schulen.

Er braucht Eltern, deren Familiensprachen wertgeschätzt werden.

Er braucht gute interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Und er braucht gleichzeitig eine logopädische Versorgung, die erkennt, wann hinter einer sprachlichen Auffälligkeit eine behandlungsbedürftige Störung steht.

Das eine darf das andere nicht ersetzen.

Sprache kann auch eine Frage von Teilhabe sein

Wer Sprache versteht, kann leichter fragen.

Erklären.

Mitreden.

Widersprechen.

Lernen.

Freundschaften gestalten.

Bedürfnisse äußern.

Und sich zunehmend selbstständig in der Welt bewegen.

Deshalb dürfen sprachliche Unterschiede nicht vorschnell, als Defizit betrachtet werden.

Gleichzeitig dürfen tatsächliche sprachliche Beeinträchtigungen nicht übersehen werden.

Chancengerechtigkeit bedeutet für uns nicht, dass alle Kinder gleich sein müssen.

Sie bedeutet, möglichst genau hinzusehen, welche Bedingungen und welche Unterstützung ein individuelles Kind benötigt, um teilhaben zu können.

Eltern sind unsere wichtigsten Expert:innen für die Familiensprache

In der Diagnostik erleben Eltern manchmal Unsicherheit.

„Mein Deutsch ist nicht so gut.“

„Ich weiß nicht, ob ich das richtig erklären kann.“

„Zu Hause spricht er ganz anders.“

Gerade diese Informationen interessieren uns.

Eltern erleben ihr Kind in seiner vertrauten sprachlichen Umgebung.

Sie können uns erzählen:

  • ob das Kind viel fragt
  • ob es Geschichten erzählt
  • wie es Wünsche ausdrückt
  • ob es neue Wörter schnell aufnimmt
  • wie gut es komplexe Äußerungen versteht
  • ob ihm Wörter häufig fehlen
  • ob andere Familienmitglieder seine Sprache gut verstehen
  • ob dieselben Schwierigkeiten auch in der Familiensprache auffallen

Eltern müssen dafür keine sprachwissenschaftlichen Begriffe kennen.

Ihre Alltagsbeobachtungen sind wertvoll.

Welche Sprache sollen Eltern zu Hause sprechen?

Unsere grundsätzliche Haltung lautet:

Sprechen Sie mit Ihrem Kind in der Sprache, in der Beziehung lebendig wird.

Erzählen Sie.

Lachen Sie.

Singen Sie.

Lesen Sie vor.

Erklären Sie die Welt.

Sprechen Sie über Gefühle.

Streiten und versöhnen Sie sich.

Erfinden Sie Geschichten.

Und verwenden Sie dabei die Sprache oder Sprachen, in denen Sie sich authentisch ausdrücken können.

Kinder brauchen nicht möglichst perfektes Deutsch von jedem Menschen in ihrer Umgebung.

Sie brauchen reichhaltige, echte Kommunikation.

Und wenn eine Sprachentwicklungsstörung vorliegt?

Dann braucht das Kind eine störungsspezifische therapeutische Planung.

Welche sprachlichen Bereiche behandelt werden und welche therapeutischen Methoden sinnvoll sind, hängt vom individuellen Befund ab.

Dabei bleibt die Mehrsprachigkeit Teil der Lebenswelt des Kindes.

Unser Ziel ist nicht, die Familiensprache zu verdrängen.

Wir möchten die sprachlichen Fähigkeiten des Kindes unterstützen und Eltern darin bestärken, Beziehung und Kommunikation in ihren vertrauten Sprachen weiterleben zu lassen.

Unser ganzheitlicher Blick

Auch bei mehrsprachigen Kindern bleibt Sprache eingebettet in die gesamte Entwicklung.

Kinder lernen Sprache in Beziehung.

Durch gemeinsames Handeln.

Über Wahrnehmung.

Bewegung.

Aufmerksamkeit.

Emotionale Sicherheit.

Und durch die wiederholte Erfahrung, dass Kommunikation etwas bewirken kann.

Die Sensorische Integration bildet das Fundament unseres therapeutischen Denkens, wenn Wahrnehmungsverarbeitung, Regulation, Körper oder Bewegung für das individuelle logopädische Störungsbild relevant sind.

Aber auch hier gilt:

Mehrsprachigkeit ist kein sensorisches Problem.

Wir verwenden unseren ganzheitlichen Ansatz nicht, um kulturelle oder sprachliche Vielfalt zu pathologisieren.

Ganzheitlichkeit bedeutet für uns vielmehr, die Lebenswelt des Kindes mitzudenken.

→ Sensorische Integration – unser therapeutisches Fundament

Was wir uns interdisziplinär wünschen

Mehrsprachige Sprachentwicklung berührt häufig verschiedene Lebensbereiche eines Kindes.

Deshalb wünschen wir uns einen guten Austausch zwischen:

  • Familien,
  • Kitas,
  • Schulen,
  • Kinderärzt:innen,
  • Logopäd:innen
  • und – wenn erforderlich – weiteren beteiligten Fachpersonen.

Dabei sollte jede Profession ihren eigenen Auftrag behalten.

Eine Kita diagnostiziert keine Sprachentwicklungsstörung.

Eine logopädische Praxis ersetzt keine pädagogische Sprachförderung.

Und Eltern sollten nicht zwischen unterschiedlichen Systemen vermitteln müssen, ohne zu verstehen, worum es eigentlich geht.

Interdisziplinäres Arbeiten beginnt für uns mit Klarheit.

Vielleicht müssen wir anders fragen

Nicht:

„Welche Sprache kann dieses Kind am besten?“

Sondern:

„Wie nutzt dieses Kind seine Sprachen?“

Nicht:

„Warum spricht es noch nicht richtig Deutsch?“

Sondern:

„Welche sprachlichen Erfahrungen hat es bisher gemacht?“

Nicht:

„Sind mehrere Sprachen vielleicht zu viel?“

Sondern:

„Gibt es Hinweise auf Schwierigkeiten im Spracherwerb, die über die Besonderheiten von Mehrsprachigkeit hinausgehen?“

Und vor allem nicht:

„Welche Sprache sollten wir wegnehmen?“

Sondern:

„Was braucht dieses Kind, damit seine sprachlichen Möglichkeiten wachsen können?“

Wenn Sie sich Sorgen um die mehrsprachige Entwicklung Ihres Kindes machen

Sie müssen nicht selbst entscheiden können, ob eine Auffälligkeit durch den Erwerb mehrerer Sprachen erklärbar ist oder ob eine Sprachentwicklungsstörung vorliegen könnte.

Wenn Sie sich Sorgen machen, sprechen Sie zunächst mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt.

Bei entsprechender medizinischer Indikation kann eine logopädische Diagnostik sinnvoll sein.

Für unsere Arbeit sind dabei Informationen über alle Sprachen und die gesamte bisherige Sprachentwicklung Ihres Kindes besonders hilfreich. Bringen Sie Ihre Familiensprache deshalb gedanklich mit in unsere Praxis. Sie gehört zu Ihrem Kind.

Viele Sprachen sind nicht das Problem.

Manchmal braucht ein Kind mehr Zeit und Gelegenheit, eine weitere Sprache zu erwerben.

Manchmal braucht es gezielte Sprachförderung.

Manchmal liegt eine behandlungsbedürftige Spracherwerbsstörung vor.

Und manchmal braucht ein Kind mehrere Formen der Unterstützung gleichzeitig.

Die Aufgabe guter Versorgung besteht nicht darin, Mehrsprachigkeit zu reduzieren.

Sie besteht darin, Unterschiede zu verstehen und Störungen zu erkennen.

Denn ein Kind sollte nicht zur Logopädie kommen, weil es mehrsprachig ist.

Und ein Kind sollte keine notwendige logopädische Therapie verpassen, weil seine Schwierigkeiten vorschnell mit Mehrsprachigkeit erklärt werden.

Dazwischen liegt fachliche Differenzierung.

Und genau die brauchen Kinder in einer vielfältigen Gesellschaft.