Facialisparese

Wenn sich das Gesicht plötzlich anders bewegt

Ein Lächeln ist asymmetrisch.

Ein Mundwinkel bewegt sich kaum.

Das Auge lässt sich nicht vollständig schließen.

Sprechen, Trinken oder Essen fühlen sich plötzlich anders an.

Eine Facialisparese kann Funktionen verändern, die normalerweise selbstverständlich sind. Gleichzeitig ist unser Gesicht ein wichtiger Teil unserer Kommunikation. Mimik vermittelt Freude, Anspannung, Zustimmung, Zweifel und Nähe.

Eine Lähmung der Gesichtsmuskulatur kann deshalb weit mehr bedeuten als eine sichtbare Veränderung.

Entscheidend ist zunächst jedoch nicht die Therapie, sondern die Frage:

Woher kommt die Lähmung?

⚠️ Plötzlich aufgetretene Gesichtslähmung? Bitte sofort handeln.

Eine neu und plötzlich aufgetretene Lähmung oder deutliche Schwäche einer Gesichtshälfte muss medizinisch abgeklärt werden.

Treten gleichzeitig weitere neurologische Symptome auf, beispielsweise:

  • plötzlich auftretende Sprach- oder Sprechstörungen
  • Schwäche, Lähmung oder Taubheitsgefühl an Arm oder Bein
  • Sehstörungen
  • Schwindel oder deutliche Gleichgewichtsstörungen
  • plötzlich auftretende starke, ungewohnte Kopfschmerzen
  • ausgeprägte Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen

kann ein Schlaganfall oder ein anderer neurologischer Notfall vorliegen.

→ Bitte sofort 112 wählen.

Nicht abwarten und nicht zunächst einen Termin in unserer Praxis vereinbaren.

Auch eine neu aufgetretene Gesichtslähmung ohne weitere neurologische Symptome sollte zeitnah ärztlich abgeklärt werden. Unterschiedliche Ursachen sind möglich und gegebenenfalls ist eine frühzeitige medizinische Behandlung erforderlich.

Wichtig bei unvollständigem Lidschluss

Kann das betroffene Auge nicht vollständig geschlossen werden, kann die Augenoberfläche unzureichend geschützt sein.

Ein unvollständiger Lidschluss sollte deshalb ärztlich und gegebenenfalls augenärztlich beurteilt werden.

Der Schutz des Auges hat in dieser Situation Vorrang vor logopädischen Übungen.

Was ist eine Facialisparese?

Als Facialisparese bezeichnet man eine teilweise oder vollständige Lähmung der vom Nervus facialis (VII. Hirnnerv) versorgten mimischen Muskulatur.

Der Nervus facialis steuert einen großen Teil unserer mimischen Bewegungen. Je nach Ort der Schädigung können weitere Funktionen betroffen sein.

Fachlich wird unter anderem zwischen einer zentralen und einer peripheren Facialisparese unterschieden.

Zentral oder peripher – ein wichtiger Unterschied

Bei einer peripheren Facialisparese liegt die Schädigung im Bereich des Fazialiskerns oder im weiteren Verlauf des Nervus facialis. Typischerweise können Stirn, Auge und Mundbereich einer Gesichtshälfte betroffen sein.

Abhängig von der Lokalisation der Schädigung können weitere Symptome hinzukommen, beispielsweise Veränderungen des Geschmacksempfindens, der Tränen- oder Speichelsekretion oder eine erhöhte Geräuschempfindlichkeit.

Bei einer zentralen Facialisparese liegt die Schädigung in den zentralen motorischen Bahnen oberhalb des Fazialiskerns. Häufig ist die untere Gesichtshälfte stärker betroffen, während die Stirnmotorik vergleichsweise besser erhalten sein kann.

Diese Merkmale können diagnostische Hinweise geben.

Sie eignen sich jedoch nicht zur Selbstdiagnose.

Die Unterscheidung zwischen zentraler und peripherer Facialisparese sowie die Klärung ihrer Ursache gehören in medizinische beziehungsweise neurologische Hände.

Welche Funktionen können betroffen sein?

Je nach Ursache und Ausprägung kann sich eine Facialisparese sehr unterschiedlich zeigen.

Mögliche Beeinträchtigungen sind:

  • asymmetrische oder eingeschränkte mimische Bewegungen
  • verminderter Lippen- und Mundschluss
  • Austritt von Flüssigkeit oder Speichel
  • Schwierigkeiten beim Trinken
  • Probleme beim Halten oder Transportieren von Nahrung im Mund
  • Veränderungen der Artikulation
  • eingeschränkte mimische Ausdrucksmöglichkeiten
  • unvollständiger Lidschluss

Nicht jeder Mensch entwickelt alle diese Symptome.

Und:

Nicht jede Facialisparese benötigt automatisch eine logopädische Behandlung.

Wann ist Logopädie sinnvoll?

Nach der medizinischen Abklärung kann Logopädie sinnvoll sein, wenn durch die Facialisparese Funktionen beeinträchtigt sind, die in unseren therapeutischen Fachbereich fallen und eine entsprechende Indikation besteht.

Dazu können insbesondere gehören:

  • Lippen- und Mundfunktion
  • Artikulation
  • Speichelkontrolle
  • orale Nahrungsaufnahme
  • Schluckfunktion
  • funktionell relevante mimische Bewegungen

Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von Ursache, Verlauf, Ausprägung und individuellem Befund ab.

Wir behandeln nicht einfach „das Gesicht“.

Wir behandeln konkrete funktionelle Beeinträchtigungen.

Diagnostik – Funktion statt nur Symmetrie

Ein Gesicht muss nicht vollkommen symmetrisch aussehen, damit wichtige Funktionen gut gelingen.

Deshalb betrachten wir nicht ausschließlich das äußere Erscheinungsbild.

Je nach Fragestellung untersuchen wir beispielsweise:

  • Beweglichkeit und Koordination der mimischen Muskulatur
  • Lippenfunktion und Mundschluss
  • funktionelle Bewegungsabläufe
  • Artikulation und Verständlichkeit
  • Speichelkontrolle
  • Essen und Trinken
  • bei entsprechender Fragestellung die Schluckfunktion

Ebenso wichtig sind der bisherige Verlauf und die vorhandenen Fähigkeiten.

Denn therapeutische Maßnahmen sollten sich nicht allein daran orientieren, wie eine Bewegung aussieht, sondern daran, welche Funktion verbessert werden soll.

Therapie – gezielt statt möglichst kräftig

Bei einer Gesichtslähmung entsteht verständlicherweise schnell der Wunsch, die betroffene Muskulatur möglichst intensiv zu trainieren.

Doch mehr Bewegung oder mehr Kraft bedeutet nicht automatisch eine bessere Funktion.

Therapeutische Maßnahmen müssen sich an Ursache, Verlauf und individuellem Befund orientieren.

Je nach Situation können beispielsweise die gezielte Anbahnung und Koordination von Bewegungen, die Wahrnehmung im Gesichts- und Mundbereich sowie funktionelle Aktivitäten beim Sprechen, Essen oder Trinken Bestandteil der Behandlung sein.

Qualität und Koordination sind wichtiger als möglichst viele oder möglichst kräftige Bewegungen.

Insbesondere bei länger bestehenden Verläufen oder unerwünschten Mitbewegungen ist ein differenziertes therapeutisches Vorgehen wichtig.

Unser ganzheitlicher Blick

Das Gesicht ist nicht nur Muskulatur.

Mimik gehört zu unserer nonverbalen Kommunikation. Mund und Lippen sind am Sprechen, Essen und Trinken beteiligt. Gleichzeitig kann eine sichtbare Veränderung beeinflussen, wie ein Mensch sich selbst wahrnimmt und wie sicher er sich in sozialen Situationen fühlt.

Ein Lächeln wird möglicherweise anders interpretiert.

Essen in Gesellschaft kann unangenehm werden.

Das eigene Spiegelbild fühlt sich ungewohnt an.

Auch diese Erfahrungen dürfen in einer Therapie Raum haben.

Deshalb fragen wir nicht nur:

Welche Bewegung funktioniert nicht?

Sondern auch:

Welche Funktion ist beeinträchtigt?

Was gelingt bereits?

Was belastet im Alltag?

Und was möchte dieser Mensch wieder erreichen können?

Unser ganzheitlicher Ansatz ersetzt dabei weder medizinische Diagnostik noch neurologische oder augenärztliche Behandlung.

Er ergänzt sie dort, wo Funktion, Wahrnehmung, Kommunikation und Alltag miteinander verbunden sind.

Für wen ist unser Angebot gedacht?

Unser Angebot richtet sich an Erwachsene mit einer medizinisch abgeklärten Facialisparese, bei denen funktionelle Beeinträchtigungen im logopädischen Bereich bestehen und eine entsprechende ärztliche Verordnung vorliegt.

Als spezialisierte Fachpraxis prüfen wir bei der Anmeldung, ob das konkrete Anliegen zu unseren fachlichen Schwerpunkten und Behandlungsmöglichkeiten passt.

Hilfreich sind Angaben zu:

  • Diagnose und Ursache
  • Beginn und bisherigem Verlauf
  • aktuellen funktionellen Schwierigkeiten
  • weiteren neurologischen oder medizinischen Befunden

So können wir besser einschätzen, ob eine Behandlung in unserer Praxis sinnvoll ist.

Nicht das perfekte Lächeln ist das Ziel

Eine Facialisparese ist häufig sichtbar.

Doch Therapie sollte nicht darauf reduziert werden, ein Gesicht möglichst symmetrisch erscheinen zu lassen.

Im Mittelpunkt steht die Funktion.

Den Mund besser schließen können.

Verständlicher sprechen.

Sicherer essen oder trinken.

Mimische Bewegungen gezielter einsetzen.

Sich in sozialen Situationen wieder sicherer fühlen.

Nicht jede Veränderung lässt sich vollständig rückgängig machen. Aber gezielte Therapie kann dabei unterstützen, vorhandene Möglichkeiten bestmöglich zu nutzen.

Gute Therapie orientiert sich nicht am perfekten Gesicht – sondern an einer für den Menschen bedeutsamen Funktion.

Sie suchen Unterstützung bei einer Facialisparese?

Wenn Ihre Facialisparese bereits medizinisch abgeklärt wurde, funktionelle Schwierigkeiten im logopädischen Bereich bestehen und eine ärztliche Verordnung vorliegt, können Sie sich über unsere digitale Warteliste anmelden.

Bitte beschreiben Sie Diagnose, Ursache, bisherigen Verlauf und aktuelle Schwierigkeiten möglichst konkret. So können wir prüfen, ob Ihr Anliegen zu unseren Behandlungsschwerpunkten passt.

Zur digitalen Warteliste

Bei einer neu oder plötzlich auftretenden Gesichtslähmung wenden Sie sich bitte zunächst an die medizinische Versorgung – bei zusätzlichen akuten neurologischen Warnzeichen über 112.